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Episode
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1h

Professor Maximilian Müller

Worauf Unternehmen jetzt hinsichtlich Reporting achten sollten

Professor Maximilian Müller

Zwischen Regulierung und Realität - über die Zukunft & den Status Quo der Nachhaltigkeitsberichterstattung

In dieser Episode von Talking Proof spricht mit , Professor Accounting & Reporting an der Universität Köln über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der nichtfinanziellen Berichterstattung, insbesondere im Kontext des ESG-Reportings. Max, Experte für Nachhaltigkeitsberichterstattung, teilt seine Erkenntnisse über die notwendige Professionalisierung von ESG-Strategien. Die Herausforderungen, die Unternehmen beim Verbinden von Nachhaltigkeits- und Finanzkennzahlen begegnen, werden ebenso beleuchtet wie die Notwendigkeit eines ausgewogenen Reportings, das sowohl Risiken als auch Chancen aufzeigt. Außerdem wird erörtert, wie neue Technologien, insbesondere KI, die Effizienz und Genauigkeit im Reporting-Prozess steigern können.

Talking Proof Reporting

Kurz & knapp - darum geht’s in dieser Folge

Professor Maximilian Müller spricht über die aktuelle Entwicklung von Nachhaltigkeitsreporting im Kontext der CSRD. ESG wird zunehmend rationaler und professioneller – weg von moralischen Debatten, hin zu standardisierten, vergleichbaren und belastbaren Daten.

Er zeigt auf, wie Unternehmen durch Reporting nicht nur externe Pflichten erfüllen, sondern interne Steuerung verbessern können: Nachhaltigkeit wird transparenter, Silos werden aufgebrochen und faktenbasierte Diskussionen gefördert.

Zentrales Thema: Reporting als Hebel für strategische Entscheidungen und kulturellen Wandel im Unternehmen.

Am Ende finden Sie außerdem:

👉 Fünf konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun können.

Der gesamte Podcast zum Nachlesen

Lukas: Hallo Max. Ich freue mich sehr, dich heute hier bei Talking Proof begrüßen zu dürfen. Vielleicht startest du kurz mit einem Intro: Wer bist du und was ist in aller Kürze deine Story?

Professor Max: Vielen Dank für die Einladung. Ich bin in der Wissenschaft tätig und Professor an der Universität Köln. Inhaltlich beschäftige ich mich mit Reporting. Historisch lag mein Fokus vor allem auf der Finanzberichterstattung, in den letzten Jahren zunehmend auf Nachhaltigkeits- und ESG-Reporting – insbesondere im Kontext der CSRD.

Das hat uns auch in der Wissenschaft stark beschäftigt: Wie können wir hier einen positiven Beitrag leisten? Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren den gegründet. Das ist eine Open-Science-Plattform, mit der wir versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten und Insights für ein breites Publikum zugänglich zu machen.

ESG - wie geht es weiter?

Lukas: Wenn du nach vorne blickst: Was kommt aus deiner Sicht als Nächstes im Bereich ESG?

Professor Max: Ich glaube, wir treten gerade in eine Phase ein, in der ESG deutlich rationaler betrachtet wird – weniger moralisch aufgeladen, weniger emotionalisiert. Rückblickend sehe ich die letzten Jahre netto positiv. ESG-Reporting ist erwachsener geworden.

Es hat sich stärker an die Finanzberichterstattung angenähert: nüchterner, vielleicht auch langweiliger, aber dafür standardisierter, vergleichbarer und verlässlicher. Die Hoffnung ist, dass diese Datenbasis jetzt genutzt wird, um rational zu analysieren: Wo stehen Unternehmen? Wo steht der Unternehmenssektor? Wo stehen wir als Gesellschaft in Sachen Nachhaltigkeit?

Wenn wir in die Zukunft schauen, gibt es zwei große Themen:
Erstens die Transformation hin zu einer CO₂-neutralen Wirtschaft – die aktuell politisch eher verwässert wird.
Zweitens die physische Realität des Klimawandels, die wir immer stärker spüren. Und diese Realität wird Unternehmen unabhängig von politischen Debatten beschäftigen.

Ein zentrales Problem sehe ich aktuell bei den Unternehmen, die frühzeitig investiert haben – in der Erwartung einer klaren Transformationsrichtung. Diese Unternehmen sehen sich jetzt mit veränderten Spielregeln konfrontiert und müssen prüfen, ob ihre angestoßenen Aktivitäten weiterhin profitabel betrieben werden können.

CSRD Reporting & Nachhaltigkeitsstrategie

Lukas: Wenn wir über Reporting und physische Risiken sprechen: In der nichtfinanziellen Berichterstattung tauchen Klimarisiken ja immer stärker auf. Hast du in deiner Forschung gesehen, dass diese Verknüpfung in der ersten Welle der CSRD-Berichte bereits stattfindet?

Professor Max: Ja, absolut. Die erste Welle betrifft vor allem große, börsennotierte Unternehmen, die erstmals nach neuen Standards berichtet haben. Was klar sichtbar ist: ein deutlich stärkerer Fokus auf die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft – und im Umkehrschluss auf Risiken und Chancen.

Viele Unternehmen haben durch das Reporting erkannt: „Wir müssen Nachhaltigkeit professioneller managen als bisher – uns fehlt teilweise sogar eine echte Strategie.“

Ein entscheidender Punkt ist die neue Vergleichbarkeit. Unternehmen können jetzt innerhalb ihres Sektors besser eingeordnet werden. Man kann deutlich besser die Spreu vom Weizen trennen.

Neben der Außenwirkung ist auch die interne Perspektive enorm wichtig. Jetzt, wo die Reporting-Infrastruktur steht, sollten Unternehmen sie aktiv für Steuerung nutzen – um Maßnahmen voranzutreiben und die zuvor formulierten Ziele tatsächlich zu erreichen.

Silos aufbrechen durch Reporting

Lukas: Wir sehen bei ݮƵ häufig, dass Reporting zunächst von Projektteams oder Task Forces getragen wird. Gleichzeitig sind durch die vielen Standards fast alle Unternehmensbereiche involviert. Hast du beobachtet, dass Reporting inzwischen auch andere Fachbereiche stärker einbindet?

Professor Max: Ja, genau das ist die große Hoffnung. Reporting soll kein Dokument sein, das man auf die Website lädt und dann weitermacht wie vorher.

Ein Beispiel: Berichtsanforderungen zur Wertschöpfungskette – etwa zu Treibhausgasemissionen im Einkauf oder bei der Nutzung der Produkte durch Kunden – zwingen Unternehmen dazu, mit Einkauf, Vertrieb und anderen Bereichen ins Gespräch zu kommen.

Allein durch das Reporting entstehen neue Kommunikationslinien im Unternehmen. In vielen Projekten wurden diese Bereiche bereits stark eingebunden. Jetzt gilt es, dieses Momentum zu nutzen: ein gemeinsames Verständnis aufzubauen und gemeinsam an öܲԲ zu arbeiten.

Wer liest Nachhaltigkeitsberichte wirklich?

Lukas: Eine Frage, die wir oft hören – auch von unseren Kunden: Wer liest diese Berichte eigentlich wirklich? Sind das nur Investoren und Auditoren oder auch andere Stakeholder?

Professor Max: Das ist eine sehr berechtigte Frage. Die ehrliche Antwort ist: Nicht jeder liest einen Nachhaltigkeitsbericht von vorne bis hinten. Aber das war bei Finanzberichten nie anders.

Die Berichte werden sehr gezielt genutzt. Analysten, Investoren, Banken, Ratingagenturen, aber auch Kunden oder NGOs greifen punktuell auf genau die Informationen zu, die sie brauchen. Und genau dafür ist Standardisierung so wichtig – damit diese Informationen auffindbar, vergleichbar und belastbar sind.

Was ich kritisch sehe, ist, wenn Unternehmen Reporting ausschließlich als Pflichtübung verstehen. Der eigentliche Mehrwert entsteht dann, wenn man die Informationen intern nutzt, um Risiken besser zu verstehen, um Investitionsentscheidungen zu treffen und um Prioritäten zu setzen. Dann wird Reporting vom reinen Compliance-Thema zu einem Steuerungsinstrument.

Fokus & Unternehmenskultur

Lukas: Viele Nachhaltigkeitsteams berichten uns, dass sie sich überfordert fühlen: zu viele KPIs, zu viele Themen, zu viele Anforderungen gleichzeitig. Wie kann man da sinnvoll priorisieren?

Professor Max: Das ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Mein Rat wäre: Fokus ist entscheidend. Nicht alles ist gleich wichtig. Die doppelte Wesentlichkeit hilft hier sehr, wenn sie ernsthaft durchgeführt wird. Unternehmen müssen sich fragen: Was hat wirklich signifikante Auswirkungen? Wo liegen echte Risiken und Chancen für das Geschäftsmodell? Wer versucht, alles gleichzeitig perfekt zu machen, wird am Ende nichts richtig steuern können.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Organisation im Unternehmen. Nachhaltigkeit darf kein isoliertes Spezialthema bleiben. Es muss klar sein, welche Rolle Einkauf, Produktion, HR, Finance oder Vertrieb spielen.

Gerade die Nähe zur Finanzfunktion ist extrem wertvoll. Dort gibt es Erfahrung mit Datenqualität, internen Kontrollen und Governance. Davon kann Nachhaltigkeitsmanagement enorm profitieren.

Lukas: Das zahlt ja stark auf das Thema Unternehmenskultur ein. Siehst du Reporting auch als Hebel für kulturellen Wandel?

Professor Max: Ja, absolut. Reporting zwingt Unternehmen, Dinge transparent zu machen, die vorher implizit waren. Das verändert Diskussionen.

Plötzlich wird gefragt: Warum machen wir das so? Warum setzen wir uns dieses Ziel – oder eben nicht?

Das kann unbequem sein, aber genau darin liegt der Wert. Reporting schafft einen gemeinsamen Referenzrahmen, über den man faktenbasiert diskutieren kann.

Blick in die Zukunft

Lukas: Wenn wir zwei, drei Jahre in die Zukunft schauen: Wie sieht aus deiner Sicht ein gutes Sustainability-Setup aus?

Professor Max: Nachhaltigkeit wird dann ein selbstverständliches Querschnittsthema sein – ähnlich wie Arbeitssicherheit oder Compliance heute. Niemand diskutiert mehr, ob man sich damit beschäftigt, sondern nur noch wie gut.

Der Fokus wird stärker auf Effizienz liegen:effizientere Prozesse, bessere Daten, klarere Verantwortlichkeiten. Und weniger auf Grundsatzdebatten.

Was Unternehmen aktuell bremst, ist das politische Hin und Her. Vereinfachung ist grundsätzlich gut, aber ständige Richtungswechsel schaffen Unsicherheit.

Unternehmen brauchen stabile Rahmenbedingungen, damit sie ihre Systeme sauber aufsetzen und weiterentwickeln können – statt ständig nachzujustieren.

Lukas: Das ist ein starkes Schlusswort. Vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke – sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Perspektive.

Drei konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun können.

  1. Reporting als Dialoginstrument nutzen - nicht nur als Pflichtdokument: Nachhaltigkeitsreporting sollte aktiv genutzt werden, um Gespräche zwischen Abteilungen anzustoßen (z. B. Einkauf, Vertrieb, Finance, HR). So entsteht ein gemeinsames Verständnis für Ziele, Risiken und Verantwortlichkeiten.

  2. Fokus durch echte Priorisierung schaffen: Mithilfe der doppelten Wesentlichkeitsanalyse klar festlegen, welche Themen wirklich entscheidend sind - und diese konsequent verfolgen. Weniger KPIs, dafür mehr Wirkung: Das entlastet Teams und erhöht die Umsetzbarkeit.

  3. Nachhaltigkeit organisatorisch verankern: Nachhaltigkeit als Querschnittsthema etablieren und eng mit der Finanzfunktion verzahnen. Klare Rollen, saubere Datenprozesse und Governance-Strukturen fördern Professionalität und machen Nachhaltigkeit zum selbstverständlichen Teil der Unternehmenskultur.

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